
Theater und Fussball
Was haben Fussball und Theater gemeinsam, wird sich der geneigte Leser vielleicht fragen. Mehr als auf den ersten Blick zu erkennen ist, behaupte ich. Beide leben sie vom Kampf.
Beim Fussball scheint dies klar zu sein. Fussball ist Kampf! Manchmal leider auch unter den Zuschauern. Aber Theater soll ein Kampf sein? Sicher! Wie beimFussball geht es in einem Theaterstück um die Machtfrage, darum wer der Stärkere ist, wer siegt und wer eine Niederlage erleidet. In Romeo und Julia geht es darum, ob Romeo und Julia, oder die Mächte die sich gegen ihre Verbindung stellen, stärker sind.
Und genau wie im Fussball darf die Machtfrage im Stück nicht zu früh entschieden sein. Wenn in einem Fussballspiel eine Mannschaft bereits vor der Halbzeit 10:0 führt, langweilen sich die Zuschauer. Die ganze Spannung ist weg und damit auch das Vergnügen.
Das Gleiche kann man auf ein Theaterstück übertragen. Die Lösung des Konflikts muss bis zum Schluss offengelassen werden. Ist der Kampf entschieden, muss der Vorhang fallen.
Interessanterweise lieben auffallend viele Theaterleute Fussballspiele. Vielleicht genau wegen diesen Gemeinsamkeiten zwischen Fussball und Theater. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass jedes Jahr eine Fussball-Europameisterschaft der Theatermannschaften stattfindet? Lieber Leser, Du glaubst mir nicht? Dann lies bitte die folgenden Presseberichte:
Auszug aus dem Winterthurer Tagesanzeiger vom 26.04.1999:
Am 1. Mai 1999 kicken Theatermannschaften zum 30. Mal um den Europameistertitel.
Das Turnier findet letztmals in Winterthur statt.
Bedeutende Fussballspiele haben im Stadion des FC Winterthur schon seit einer ganzen Weile Seltenheitswert. Ab und zu erinnert ein Cup-Match gegen eine A-Mannschaft an die grossen Zeiten des FCW, noch seltener locken Freundschaftsspiele namhafte Teams wie Borussia Dortmund oder Werder Bremen auf die Schützenwiese.
Was aber die wenigsten wissen: Einmal im Jahr wird in Winterthur ein Tag lang um den EM-Titel gekämpft - und das seit zehn Jahren. Die zwanzig Teams, die am Samstag in vier Gruppen aufeinander treffen, stammen aus der Schweiz, aus Deutschland, Italien, Ungarn und Liechtenstein und tragen ungewöhnliche Namen wie "Staatsoper Budapest", "Cats & Phantom Hamburg", "Scala di Milano" oder "Semper-Oper Dresden". Das macht Sinn, denn es sind die Europameisterschaften der Theatermannschaften. Ob Chorsänger, Schauspieler oder Musiker, Handwerker, Bühnentechniker oder Verwaltungsangestellter: Mitspielen dürfen alle. Aktuelle Titelträger sind die Kicker des Volkstheaters Rostock.
Die EM der Theatermannschaften hat Tradition: Das Turnier findet am Samstag bereits zum 30. Mal statt. Der Startschuss fiel am 1. Mai 1970 in Zürich. Damals trafen auf Initiative des SC Opernhaus sechs Mannschaften aus der Schweiz und aus Deutschland aufeinander. Seit 1990 wird die EM vom Winterthurer Theater am Stadtgarten organisiert - federführend sind Bühnenmeister Rolf Bolliger und der Technische Leiter, Christian Hirt. Trotz jahrelangem Heimvorteil sind die Winterthurer aber noch nie bis ins Final vorgestossen. Ab 2000 soll das Turnier in Deutschland stattfinden. (mö)
39. Fussball EM der Theatermannschaften am 1. Mai 2007 in Venedig.
Der Rasen, der die Welt bedeutet!
Am 1. Mai 2007 fand - zum dritten Mal in Venedig - die 39. Fußball- Europameisterschaft der Theatermannschaften statt. Dieses Jahr versammelten sich im Rahmen der EM, die von den drei italienischen Theatern Teatro alla Scala (Mailand), Teatro La Fenice (Venedig) und Teatro Regio (Turin) veranstaltet wurde, 17 Mannschaften aus 8 Ländern, um den Feiertag sportlich zu verbringen. Gewonnen hat das Ravenna Festival-Team vor der La Fenice-Mannschaft aus Venedig. Im kommenden Jahr findet die EM im französischen Lyon statt.


